Basel verbindet – mit Regula Berger im Gespräch

Am 10. April 2026 durften wir Regula Berger am Hauptsitz der Basler Kantonalbank zum Interview treffen. Im Gespräch wurde deutlich, wie eng Infrastruktur, Innovation, Wirtschaft und Kultur in Basel miteinander verbunden sind. Als wichtige Akteurin in der Region prägt auch die Basler Kantonalbank diese Entwicklung mit. Das Interview zeigt, was Basel als Standort besonders macht und wie die BKB dazu beiträgt, die Region heute und in Zukunft mitzugestalten.

Interview:

Basel verbindet Infrastruktur, Innovation und Kultur auf besondere Weise. Was bedeutet dieses Zusammenspiel für Sie persönlich?

Für mich zeigt sich genau in diesem Zusammenspiel, warum Basel so gut funktioniert. Hier ist nichts isoliert: die Infrastruktur, die Innovationskraft und das kulturelle Leben greifen ganz selbstverständlich ineinander. Das spürt man im Alltag und es macht die Stadt sowohl wirtschaftlich stark als auch lebenswert. Gerade diese enge Verzahnung bildet auch die Grundlage für die zentralen Stärken der Region. Sie schafft optimale Voraussetzungen für den Erfolg der Life Sciences, unterstützt einen leistungsfähigen Finanzsektor und stärkt insgesamt die wirtschaftliche Dynamik Basels.

Welche Rolle spielen Life Sciences und der Finanzsektor für Basels Wirtschaft?

Der Kanton Basel-Stadt verfügt über eine der höchsten Wirtschaftsleistungen der Schweiz mit rund 220’000 Franken pro Kopf. Das kantonale BIP pro Kopf ist rund 2,3 bis 2,5-mal höher als der gesamtschweizerische Durchschnitt. Getrieben wird dies primär durch die Life-Sciences-Branche. Der Pharmasektor trägt mit einer Bruttowertschöpfung von 25 Milliarden Franken, was 35 % der gesamten regionalen Wertschöpfung entspricht, sowie mit 28’000 Beschäftigten wesentlich zur regionalen Prosperität bei. Zugleich zählt Basel zu den vier wichtigsten Finanzplätzen der Schweiz. Der Finanzplatz Basel trägt jährlich 5 Milliarden Franken zur Bruttowertschöpfung bei, was 10 Prozent des kantonalen Bruttoinlandprodukts entspricht. Es gibt 26 Banken mit 110 Filialen und über 6’300 Angestellten.

Wie beeinflusst die demografische Entwicklung das Fachkräfteangebot in Basel?

Die Bevölkerung wird immer älter und es kommen weniger Junge nach, die ins Arbeitsleben treten. Das gilt schweizweit. Basel-Stadt befindet er sich im unteren Mittelfeld; Basel-Stadt ist also jünger als der Schweizer Durchschnitt. Basel-Landschaft hingegen hat den dritthöchsten Altersquotienten (Verhältnis Rentner zu Erwerbstätigen). Die Bevölkerungszahl des Kantons Basel-Stadt wächst durch die Zuwanderung aus dem Ausland, nicht durch die Geburten oder den Zuzug aus anderen Kantonen. Die einzigen Generationen, die ein positives Wanderungssaldo aufweisen (mehr Zuwanderung als Abwanderung) sind die Generation Z und die Millennials. Bei der Generation Z sind dabei sogar die Nettowanderung aus anderen Kantonen und – als einzige Generation – die Nettowanderung aus anderen Gemeinden des Kantons positiv. Dabei dürfte es sich zum grössten Teil um Studierende handeln.

Welche Rolle spielt die Ausbildung für die Basler Kantonalbank (BKB) in diesem Kontext?

Wir beschäftigen zurzeit 60 Lernende und Praktikanten/-innen sowie 7 Trainees und stehen für die Ausbildung unserer Mitarbeitenden ein. Im Jahr 2025 haben wir 7149 Ausbildungstage ermöglicht. Das sind rund fünf Tage pro Mitarbeitenden und Jahr. Das ist vor allem im Moment sehr relevant, denn die Jobprofile verändern sich aufgrund künstlicher Intelligenz (KI) radikal.

Gerade für Studierende und junge Berufsleute ist Basel ein spannender Ort mit vielen Möglichkeiten. Welche Botschaft möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Basel bietet enorme Möglichkeiten; beruflich wie persönlich. Mein Rat ist, diese Chancen aktiv zu nutzen, neugierig zu bleiben und insbesondere die Verbindung von Wissenschaft und Praxis bewusst zu suchen. Die Nähe zwischen Hochschulen, Forschung und Unternehmen eröffnet einzigartige Möglichkeiten, Wissen direkt anzuwenden. Beispielsweise durch Praktika bei den Unternehmen in der Region. Netzwerke aufzubauen und offen für Neues zu sein, ist dabei entscheidend.

Wie wichtig ist das Thema Infrastruktur für die BKB?

Die BKB engagiert sich aktiv in der Weiterentwicklung der Region, insbesondere durch gezielte Finanzierungen. Dazu gehören die Unterstützung von Unternehmen bei Investitionen zur Erreichung der gemeinsamen Klimaziele sowie die Finanzierung und Begleitung von Projekten im Pflege- und Sozialbereich. Das Schaffen von Wohnraum gehört zu einer weiteren wichtigen Aufgabe der Bank. Im Hypothekargeschäft finanzieren wir ein Volumen von 17 Mrd. Franken und haben einen hohen Marktanteil, insbesondere im gemeinnützigen Wohnungsbau. Ein wunderbares Beispiel ist das Projekt Westfeld, an welchem wir mitgewirkt haben. Über 450 Wohnungen wurden dort geschaffen. Im Bereich Pflege und Soziales ist die BKB ebenfalls stark verankert. Bei gut der Hälfte der über 40 Alters- und Pflegeheime in Basel sind wir alleinige Hausbank.

Sie erwähnen Nachhaltigkeit – wie unterstützt die BKB hier die Region?

Wir haben soeben das KMU Förderprogramm lanciert. Das Programm ist ein gemeinsames Engagement von vier Partnern und der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Jährlich werden insgesamt zehn ausgewählte KMU aus der Region Basel bei ihren ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsvorhaben unterstützt. Damit wird in der Region eine positive Wirkung für Mensch, Natur und Wirtschaft erzielt. Die BKB engagiert sich zudem mit der CMS und Birdlife für mehr Artenvielfalt vor der Haustür. Wir machen das Thema erlebbar, bspw. mit den Biodiversitätstagen. Aber auch im Kerngeschäft ist das Thema wichtig: wir haben über 2 Mrd. Franken nachhaltige Kredite an Unternehmen vergeben.

Und wie steht die BKB zum Thema Innovation? 

Basel zeichnet sich durch eine hohe Dichte an Wissen, Forschung und Unternehmertum aus. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Unternehmen und Start-ups ist ein grosser Vorteil. Ein wertvoller Partner der BKB ist die Start-up-Academy, die besonders in der Gründungsphase unterstützt. Wer eine innovative Geschäftsidee hat und ein Start-up gründen möchte, findet entsprechende Unterstützung. Das Förderprogramm KMUimpuls ist in der Region einmalig und bietet Start-ups besonders vorteilhafte Bedingungen. Die BKB arbeitet ebenfalls mit dem BusinessParc Reinach und Basel Area zusammen. Ebenso können bei Startups die Bürgschaftsgenossenschaften (BG Mitte / SAFFA) eine Unterstützung bieten.

Wie positioniert sich die BKB konkret bei neuen Entwicklungen im Finanzbereich?

Nahe am Markt zu sein ist uns wichtig. Stablecoin oder digitale Währungen sind in aller Munde. Aus diesem Grund haben wir als eine von wenigen Banken zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Ausgabe eines digitalen Schweizer Frankens pilotiert. Der Kanton Basel-Stadt war sodann erster Kanton, der begleitet durch die BKB, eine digitale Anleihe emittierte und sich als Vorreiterin in Innovation positionierte.

Inwiefern unterscheidet sich Basel von anderen Regionen?

Wie bereits erwähnt, ist die hohe Wertschöpfung zentral. Entscheidend dafür ist die Standortattraktivität: Der Rhein, der EuroAirport sowie die guten Bahnverbindungen in die umliegenden Länder spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese Infrastrukturen sind zentral für die Attraktivität des Standorts. Besonders erwähnenswert sind auch die Stiftungen, die einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Region beitragen. Wir sind unangefochten Spitzenreiter bei der Stiftungsdichte (Anzahl Stiftungen auf 10’000 Einwohner) von 43.5 gefolgt vom Kanton Zug mit 34.4. Die Stiftungszwecke konzentrieren sich mehrheitlich auf Kultur und Freizeit. Weitere Schwerpunkte liegen in den Bereichen Bildung und Forschung sowie soziale Dienste. Ergänzend werden auch Projekte im Gesundheitswesen, im Umwelt- und Entwicklungsbereich sowie im Wohnungswesen unterstützt. Die Mehrzahl der Stiftungen verfolgt einen lokal oder kantonal gebundenen Zweck und engagiert sich entsprechend vor Ort. Dies unterscheidet die Basler Stiftungslandschaft von jener anderer Regionen.

Auch kulturell hat Basel enorm viel zu bieten. Warum ist Kultur für eine Stadt und Region wie Basel so wichtig?

Kultur hat in Basel eine lange Tradition und ist historisch eng mit dem Mäzenatentum verbunden. Schon früh haben wohlhabende Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen Verantwortung übernommen und kulturelle Einrichtungen und Projekte ermöglicht. Dieses Engagement hat dazu beigetragen, dass Basel heute über eine aussergewöhnlich dichte und hochwertige Kulturlandschaft verfügt. Kultur ist damit nicht nur Ausdruck von Identität, sondern auch Ergebnis eines über Generationen gelebten gesellschaftlichen Engagements. Gleichzeitig ist sie ein zentraler Treiber für den Tourismus und trägt wesentlich zur internationalen Ausstrahlung der Region bei.

Welchen finanziellen Beitrag leistet die BKB für ein vielfältiges Kulturleben in der Region?

In der letzten Strategieperiode haben wir über 8 Mio. Franken an Sponsoring Beiträgen und Vergabungen hier in der Region geleistet. Im Jahr 2025 haben wir über 500’000 Personen und Kundinnen und Kunden mit Anlässen beglückt, bspw. mit Aktivitäten rund um den Eurovision Song Contest. Diese Vielfalt spricht ganz unterschiedliche Menschen an und stärkt die Attraktivität der Region weit über die Landesgrenzen hinaus. Ohne Kultur würde der Stadt ein entscheidender Teil ihrer Strahlkraft fehlen.

Zum Abschluss: Welche Vision haben Sie für die zukünftige Entwicklung Basels?

Ich wünsche mir, dass Basel seine Stärken als führender Innovations- und Wirtschaftsstandort weiter ausbaut und gleichzeitig seine hohe Lebensqualität bewahrt. Entscheidend bleibt dabei die Standortattraktivität. Dazu zählen ein attraktives städtisches Umfeld mit guter Infrastruktur, Stabilität und Sicherheit sowie ausgewogene Regulierungen. Indikatoren wie der «Doing Business Index» zeigen, dass hier weiterhin Potenzial besteht, auf das wir uns fokussieren sollten. Basel soll ein Ort bleiben, der Talente anzieht, Chancen bietet und Innovation verantwortungsvoll vorantreibt.