Basel verbindet – mit Mike Stoll im Gespräch

Am 20. April 2026 durften wir Mike Stoll in der FHNW Hochschule für Wirtschaft im Peter Merian Haus zum Interview treffen. Im Gespräch sprach er über Basel als Stadt der Verbindungen und zeigte auf, wie stark Geschichte, Infrastruktur und Kultur das Gesicht der Region bis heute prägen. Das Interview bietet spannende Einblicke in die historische Entwicklung Basels und macht deutlich, was die Stadt seit jeher besonders macht.

Interview:

Herr Stoll, wenn Sie an Basel denken: Was verbindet diese Stadt historisch gesehen im Innersten?

Für mich sind es in erster Linie die Menschen. Städte werden nicht von Gebäuden oder Strukturen geprägt, sondern von den Menschen, die in ihnen leben. Sie gestalten die Entwicklung, prägen Traditionen und geben einem Ort seine eigene Dynamik. Von dort aus ergeben sich dann auch Kultur, Infrastruktur und Stadtbild.

Basel war schon früh ein wichtiger Knotenpunkt. Welche Rolle spielte die Infrastruktur historisch für die Entwicklung der Stadt?

Eine zentrale Rolle. Besonders wichtig waren die Brücke und der Rhein. Die Mittlere Brücke war über Jahrhunderte eines der bedeutendsten Bauwerke Basels und für den Handel von grosser Bedeutung. Sie war lange eine der wichtigsten festen Rheinbrücken in Europa. Dazu kommt der Rhein selbst als grosse Verkehrs- und Handelsachse. Basel war in diesem Sinn schon sehr früh eine Hafenstadt. Waren, Menschen und Ideen konnten sich über das Wasser besonders effizient verbreiten.

Welche Elemente waren aus historischer Sicht besonders entscheidend für das Wachstum Basels?

An erster Stelle steht der Rhein. Er war und ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen Europas. Städte am Rhein hatten fast automatisch wirtschaftliches Gewicht. In Basel kam hinzu, dass mit der Brücke ein entscheidender Übergang geschaffen wurde. Diese Kombination hat die Entwicklung der Stadt stark begünstigt.

Unser Event trägt den Titel „Basel verbindet“. Inwiefern war Basel aus Ihrer Sicht schon immer ein Ort der Verbindungen?

Basel war historisch stets ein Ort des Austauschs. Der Rhein verband Regionen, Kulturen und Menschen weit stärker, als er sie trennte. Heute nimmt man Flüsse und Grenzen oft als Trennlinien wahr, historisch waren sie aber vor allem Verbindungen. Über Handelswege und Wasserstrassen verbreiteten sich Waren ebenso wie Ideen, neue Technologien oder gesellschaftliche Entwicklungen. Basel lag dabei immer an einer wichtigen Schnittstelle.

Neben der Infrastruktur ist auch die Kultur ein zentrales Thema unseres Events. Welche kulturellen Besonderheiten haben Basel besonders geprägt?

Wenn man Basel kulturell auf einen Punkt bringen will, kommt man an der Fasnacht nicht vorbei. Sie ist historisch besonders spannend, weil Basel bis heute am alten Fasnachtsdatum festhält. Bemerkenswert ist auch, dass sich die Fasnacht in Basel trotz Reformation behaupten konnte. In vielen reformierten Städten wurde sie abgeschafft, in Basel blieb sie bestehen. Das zeigt, wie stark kulturelle Traditionen hier verankert sind.

Basel ist bekannt dafür, Tradition und Offenheit zu verbinden. Wie zeigt sich dieses Spannungsfeld historisch?

Gerade an der Fasnacht lässt sich das gut beobachten. Viele verstehen sie als feste Tradition, dabei war sie immer auch im Wandel. Neue Einflüsse, neue Formen und neue Figuren wurden über die Zeit aufgenommen. Tradition bedeutet in Basel also nicht Stillstand, sondern eher eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Das ist ein spannendes Merkmal der Stadt: Sie bewahrt, ohne sich ganz zu verschliessen.

Welche historischen Entscheidungen oder Entwicklungen haben Basel besonders nachhaltig verändert?

Sehr prägend war die Entwicklung der Stadtmauern. Wer alte Stadtpläne betrachtet, sieht, wie stark die Mauern über Jahrhunderte die Form und das Wachstum Basels bestimmt haben. Selbst nachdem andere Städte sich längst geöffnet hatten, hielt Basel noch lange an seinen Befestigungen fest. Das zeigt, wie stark Sicherheitsdenken, Stadtentwicklung und politische Ereignisse miteinander verflochten waren. Gleichzeitig lässt sich daran sehr gut ablesen, wie Basel über die Jahrhunderte gewachsen ist.

Was können wir heute aus der Geschichte Basels für die Zukunft lernen?

Ein wichtiger Punkt ist der Pragmatismus. Basel hat in seiner Geschichte oft Lösungen gesucht, die nicht rein ideologisch waren, sondern praktikabel. Man war immer wieder bereit, unterschiedliche Seiten mitzudenken und Kompromisse zu finden. Gerade für eine Stadt wie Basel, die stark vom Austausch mit dem Umland und vom internationalen Umfeld lebt, ist diese Offenheit entscheidend. Basel war dann stark, wenn es Verbindungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden hat.

Zum Schluss: Was bedeutet „Basel verbindet“ ganz persönlich für Sie?

Für mich bedeutet es Offenheit. Basel war und ist eine Stadt, in der Menschen von aussen ihren Platz finden können. Gleichzeitig lebt die Stadt von ihrer Fähigkeit, Geschichte und Gegenwart, Bewahrung und Entwicklung miteinander zu verbinden. Genau dieses Spannungsfeld macht Basel aus.